WIENERIN Magazin
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Hey, lass mir doch einen Tell da!

Geteilte Tells:

Ich selbst habe zum Glück eine sehr entspannte Atmosphäre bei der Geburt im Krankenhaus erleben dürfen, was sicherlich daran lag dass ich privat für meine Hebamme bezahlt habe. Jedoch kann ich als Frau die mehrere Fehlgeburten hatte und ausserdem selber Krankenschwester ist so einiges erzählen. Das beginnt bei (männlichen) OP-Gehilfen die sich bei Gyn-OPs im OP-Saal derart positionieren dass sie gut zwischen die weitgespreizten Beine der narkotisierten Patientin sehen können bis zu herablassenden Krankenschwestern die einen, wenn man in der 23. SSW mit der Rettung ins Spital gebracht wird und wahre Todesängst um sein Kind durchsteht, einen anschreien wieso man in so einer Extremsituation (panisch und schockiert aus Angst um sein lUngeborenes) gerade seine genauen Daten nicht runterbeten kann. Das sind Misstände die in einem Land wie Österreich einfach nicht sein dürfen aber leider Spitalsalltag sind.
Liebe Leserin, wärst du bereit deine Erfahrungen (gerne auch anonym) mit uns zu teilen? Dann hinterlasse mir doch bitte eine Nachricht auf [email protected] Danke, herzlichst, Arnika (Online-Redaktion WIENERIN)
Hallo, bin froh über das Thema Gewalterfahrung während der Geburt. Ich habe meinen Job als Ärztin vor Jahren an den Nagel gehängt, absolvierte eine weitere Ausbildung. Ausschlaggebend war in meiner Zeit als Turnusärztin das hilflose Miterleben von herabwürdigenden und grenzüberschreitenden Handlungen an Gebärenden. Diese waren im Kreissaal omnipräsent trotz sonst überwiegend engagierter und kompetenter Betreuung der SpitalspatientInnen. KollegInnen schwiegen offiziell, um nicht selbst unter Druck zu geraten, machten tlw mit nach anfänglicher Selbstüberwindung. Neben den Gebärenden Frauen wurde unverhohlen über ihre Buche, ihr Alter, die zugehörigen oder nicht vorhandenen Kindesväter debattiert. Die Art mit Wehenschmerz umzugehen eurde kategorisiert zwischen tapfer ("das hat Frau zu ertragen") und hysterisch ("die schreit uns den ganzen Kreissaal z'samm' "), ethnische Herkunft wurde in Beziehung gesetzt zur "Schreifreudigkeit". Frauen über 30, egal ob Erstgebärenden oder Mehrfachgebärenden, wurde erklärt, sie seien spätgebärend und bräuchten nicht noch mal schwanger wiederzukommen. Grwichtszunahmen, Schwangerschaftsstreifen, Hammerzehen, be- oder enthaarte Beine bzw Scham, nichts war sicher vor diesen Kommentaren. Je nach Persönlichkeit litten die Frauen, reagierten ängstlich, resignativ oder aggressiv. Besonders bei letzterem Verhalten drohte ihnen von Personalseite die Zuschreibung hormonell derzeit nicht zurechnungsfähig zu sein und inter Beobachtung zu stehen, um rechtzeitig die Entwicklung einer postpartalen Psychose oder gar Depression zu bemerken.
So such die Frauen hier noch einigermaßen zur Wehr setzten, war dies bei "medizinischen" Handlungen anders. Gebärende wollten keine Dammschnitte, lehnten den Einsatz von Saugglocken oder aber sie verweigerten das sogenannte "Kristellern" (vorzugsweise ein großer starker Mann, Pfleger oder Arzt, legt sich ruckartig zur Unterstützung der Austreibung des Kindes während einer Presswehe quer über den Oberbauch der Frau). Leiser und verzweifelter kam Widerstand gegen manuelle Dehnung der Gebärmuttermünder (oft ohne Vorankündigung durchgeführt oder deklariert als "wir helfen Ihnen jetzt ein bisschen"). Der Einsatz wehenfördernder oder -hemmender Mittel war stark abhängig von der diensthabenden Schwester bzw vom Klinikalltag ("Kollision" mit Diebstübergaben, Frühstück im Dienstzimmer, Pizza im Nachtdienst, GT-Feiern usw). Frauen hatten keinerlei Mitspracherecht beim Einsatz dieser Habdlungen oder Mittel. Als Gebärende galten sie als teilentmündigt, da unter "Hormoneinfluss".
Damals war ich 26a alt. Als ich mit 40a selbst durch ICSI schwanger wurde (mein Ehemann hatte an einem Malignom gelitten, vor der Behandlung Sperma tiefgefroren, nach ein paar Jahren und halbwegs gesicherter Genesung Babywunschbehandlung), holten mich die alten Erfahrungen ein. Meine Sorge war groß bezüglich "Stimme haben während des Geburtsvorganges". Eine Privatklinik als Ausweg war wegen der jahrelang hohen Kosten der Behandlung des Mannes und laufenden Kredit für das Wohnhaus nicht realistisch.
Hier ein kleiner Auszug meiner persönlichen Erfahrung:
* Hausgeburt in Ihrem Alter riskiert Kindstod
* ich / wir empfehlen eine Sectio (=Kaiserschnitt), wenn Sie auch Nummer sicher gehen wollen; planbar, sauber, das alte Gewebe wird nicht weiter belastet
* "wo ist die Schere?" (gemeint war das Instrument für Dammschnitt)
* nach verbal bestimmter und betont höflicher Gegenwehr "glaubst, wie haben Zeit für solche Spärenzchen? da könnt' ja jede kommen ..." (Erklärung: manueller Dammschutz braucht Erfahrung, Zeit und ein wenig Kraft)
* "Pass auf, war's sagst, des is a Ärztin
* "... alle müssen Kibder kriegen um jeden Preis "
* "der Staat zahlt eh, wenn's der Mann net schafft ... " (gemeint war die überstandene Krebserkrankung des KV)
* "du gehst nimmer auf's Klo, du kriagst jetzt a Kind" (25' vor Geburt, dann Stuhlgang im Bett beginnend!, Leibstuhl eiligst gebracht)
* die wehrt si' immer no'; schick ihren Mann um an Kaffee und hol den Dr. Xxl
* zum Arzt: "redens mit dem Mann, Sie müssen kristellern; die will kan Dammschnitt, es muss was weitergehen"
* "wenn ma ihr a 'Fenta' geben, dann is'S vielleicht ruhig?" (Fentanyl ist ein Schmerzmittel, opioatverwandt)
* Arzt sprach mit Mann, Krankenschwester dehnte manuell den bereits 9cm weit offenen Muttermund (Arzt zu Mann: es ist zu Ihrem Besten!)
* Arzt liegt mit 120kg Körpergewicht quer über mir, während ohne meine Draufsicht meiner Tochter eine Saugglocke auf den Hinterkopf gesetzt wird
* hektische Schreie des Personals wie "Ziagsts!" oder "Geht schon, schiab an!"
* Tochter schiesst förmlich raus, kein Gleiten wie geburtsüblich
* Kommentare wie "die is aber glitschig, san alle ICSI so?", "na, aber weniger G'wicht haben die meisten, sie ja a nur 3kg 20!", "Na Zwerg, schau ma amol, was die erwartet im Leben
* "die schnauft komisch, des is a Hypoxie!?" (Sauerstoffmangel)
* Tochter hatte wohl aufgrund der medizinischen Intervention zur protrahierten Geburt Fruchtwasser nichtvgenpgend azsgepresst aus dem Mundraum im Geburtskanal und es in die Lunge, wohl verunreinigt durch die in meinem Kot im Bett vorhandenen Darmbakterien
* eine entzündliche Reaktion mit Fieber war die Folge, Bakterienkultur wies Escherichia coli nach (Bakterien des Darmraumes)
* Tochter war 10d auf der Neonatologie
Dort kam endlich Unterstützung und Verständnis, obwohl andere Babys viel mehr zu kämpfen hatten.
Heute ist die Hypoxie 14a alt, hat einen ausgetesteten IQ von 150 und studiert nebenbei 😊
Kind gab es kein weiteres, da nach einer Fehlgeburt (mit späten 41a auf natürlichem Wege zufällig schwanger trotz kaum vorhandener Spermien) die Aussage des Arztes "lassen'S das gut sein, Sie haben ein Kind, fordern Sie das Schicksal nicht heraus schlussendlich unsere Oppositionskräfte aufgrund unserer Vorgeschichte überstieg. Heute bereue/n ich / wir das.

Oft schäme ich mich für meinen ehemaligen Berufsstand. Vorkommnisse dieser Art ziehen tatsächlich engagierte und hochkompetente Personen aus Pflegeberufen und Ärzteschaft in Misskredit und belasten das Vertrauensverhältnis zwischen PatientInnen und Personal, was wiederum dem Immunsystem schlecht bekommt.
Liebe Grüße an die Redaktion,
von Frau mit Erfahrung.
Liebe Leserin, danke für deinen offenen Bericht. Wir sind wirklich erstaunt (und erschüttert), wie viele Mütter sich nach dem Artikel bei uns mit ihren (verstörenden) Geschichten gemeldet haben. Wir haben deinen Bericht veröffentlicht hier (http://wienerin.at/home/wienerinmitkind/5400140/Geburt_Frauen-berichten-ueber-Gewalt-im-Kreissaal-waehrend-Geburt?_vl_backlink=/home/index.do) und danken dir für deine offenen und mutigen Worte - gerade aus der Sicht einer (ehemaligen) Ärztin sind deine Erfahrungen wohl für viele besonders spannend! Wir wünschen alles Gute. Deine WIENERIN
Leider zähle auch ich zu den Frauen, die Gewalt während und nach der Geburt erleben musste. Es ist mir ein großes Anliegen, meine Erfahrungen zu teilen, um bei all jenen Frauen die in Zukunft Kinder gebären werden, ein besseres Bewusstsein bzgl.diesem Thema zu schaffen.

Die Gewalt, die ich erfahren musste, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Ich befand mich in einem Ausnahmezustand- wie es wohl jede Frau in dieser Situation ist.

Der zuständige Arzt stellte sich bei mir vor, als ich im den Kreissaal angekommen bin. Als er mich untersuchte, schickte er alle Anwesenden aus dem Raum- und offenbarte mir in diesen Minuten, wie schön er Frauen, mit kurzen Kitteln findet. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich keine Wehen mehr. Ungefragt wurde ich an den Tropf gehängt. 14 Stunden später, erblickte meine Tochter das Licht der Welt- ich ging durch die Hölle.

Nach der Geburt musste ich genäht werden. Vom gleichen Arzt wie oben erwähnt. Ich hatte wahnsinns Schmerzen beim Nähen der Wunde und ich spürte, dass etwas nicht stimmen konnte. Ich rief nach der Hebamme, die nach einiger Zeit auch kam. Dann ging alles ganz schnll. Sie verwieß den Gynäkologen aus dem Kreiszimmer, und ich hörte die beiden vor der Türe diskutieren. Eine junge Ärztin betrat den Raum, und bat mich höflich darum, ob sie nocheinmal einen Blick auf die Wunde werfen darf. Sie musste die Nähte vollständig aufmachen und nocheinmal nähen, mit der Begründung, dass ich mein Leben lang Probleme damit gehabt hätte.
Ich war wie gelähmt, lies alles über mich ergehen, und betete zu Gott, dass alles bald ein Ende haben wird.

Ich hab mir damals geschworen, dass ich nie mehr ein Kind in diesem Krankenhaus auf die Welt bringen werde. Aus diesem Grund, kam unsere zweite Tochter Zuhause auf die Welt. Das war bisher die beste Entscheidung in meinem Leben.

An alle Frauen, denen ich von Herzen nur das Beste wünsche: HABT DEN MUT EUCH ZU WEHREN!

Ich wünsche mir, dass viele Frauen über Gewalt im Kreissaal berichten- dass so etwas Furchtbares so schnelll wie nur irgendwie möglich, ein Ende hat!
Liebe Leserin, danke für deinen offenen Bericht. Wir sind wirklich erstaunt (und erschüttert), wie viele Mütter sich nach dem Artikel bei uns mit ihren (verstörenden) Geschichten gemeldet haben. Wir haben deinen Bericht veröffentlicht hier (http://wienerin.at/home/wienerinmitkind/5400140/Geburt_Frauen-berichten-ueber-Gewalt-im-Kreissaal-waehrend-Geburt?_vl_backlink=/home/index.do) und danken dir für deine offenen und mutigen Worte. Deine WIENERIN
Bodypositivity ist eine Lebenseinstellung, für viele ein schwieriger Prozess und sollte nicht zu einem kurzen Trend verkommen. Sich und seinen Körper zu akzeptieren und zu lieben ist für viele Menschen schwierig, für manche scheint es sogar unmöglich. Zu sehr setzen uns öffentliche und medial verbreitete Schönheitsideale unter Druck, zu laut sind gehässige und gemeine Kommentare über den Körper anderer auf der Straße, auf Facebook oder Instagram. Bodypositivity heißt nicht einfach Ashley Graham jetzt toll zu finden, es reicht nicht, dass diese wunderschöne Frau auf dem Cover der Magazine ist. Vor allem dann nicht, wenn in den Magazinen weiter Mode an teilweise ungesund schlanken Frauen gezeigt wird, oder wieder eine der unzähligen Diäten propagiert wird. Zu sagen: "Akzeptiert eure Körper, liebt eure Körper!", und dann zwei Seiten weiter über die Ananasdiät zu sprechen ist scheinheilig und widerspricht einem körperpositiven Ansatz. Ja, der Begriff wird auch für Marketingzwecke missbraucht und wird noch viel zu wenig verstanden. Im Alltag wird es Menschen, die nicht gängigen Schönheitsidealen entsprechen noch immer schwer gemacht. Dabei stellt sich doch die Frage: "Warum?" Warum ist es so schwer zu ertragen wenn ein Mensch anders aussieht? Warum dürfen sich Menschen z. B. öffentlich über dicke Menschen lustig machen, ohne dass es schockiert? Ich selbst beschäftige mich seit geraumer Zeit mit dem Thema Plus Size und sehe immer wieder, dass das Beleidigen von dicken Menschen ganz alltäglich ist. Dass es Frauen und Männern so immer schwerer gemacht wird sich und ihren Körper zu mögen. Bodypositivity ist ein gutes und ein wichtiges Wort, allerdings sind wir noch weit davon entfernt ein positives Körperbewusstsein zu leben.
Liebe Userin, vielen Dank für deinen Kommentar! Du schreibst, dass du dich schon länger mit dem Thema Plus Size auseinandersetzt. Hättest du ****, deine Erfahrungen in einem längeren Text auf WIENERIN.at mit anderen Userinnen zu teilen? Es ist klar, dass du eine starke Meinung zu diesem Thema hast und da wir gerne unterschiedliche Meinungen auf WIENERIN.at zeigen wollen, wäre das eine tolle Bereicherung für unseren Schwerpunkt. Wenn du **** hast, melde dich doch direkt an [email protected] (CR online)! Lieben Gruß aus der Redaktion!
Hallo! Ich bin dreifache Mutter aus Leidenschaft. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es für mich mehr als schwierig, die Balance zu wahren. Einerseits die Balance zwischen (leider nötigem) Berufs- und Familienleben, andererseits die Balance zwischen Mutter und Ehefrau, aber auch die Balance zwischen Mutter und eigenständiger Person. Ich stehe jeden Werktag um 5:00 Uhr auf und beginne mit dem Alltag. Ins Bett gehe ich normalerweise zwischen 21:00 und 22:00 Uhr - dazwischen muss ich funktionieren. Zunächst für Frühstück und Jause herrichten, dann Kinder abgeben und arbeiten gehen, Kinder abholen und Abendessen bereiten, eventuell Lernhilfe, spielen mit dem Jüngsten, Streitereien (zwischen den Schwestern, zwischen Kindern und Papa, zwischen Schwester und Bruder) schlichten, pubertäre Anfälle abmildern und abprallen lassen....
Ich sage es noch einmal: Ich bin wirklich gerne Mutter, und ich nehme ebenso gerne alles in Kauf. Ich finde es allerdings FURCHTBAR, dass Katzen und Hunde in unseren Nachbarn, Mitmenschen... mehr Toleranz und Freude hervorbringen als Kinder. Ich kann mir immer wieder anhören: zu laut, zu lebhaft, störend, nervig... Es ist ein trauriges Zeichen, wenn fröhliches Lachen und Quietschen als nervig empfunden wird, es ist auch nicht besonders schön, wenn man im Berufsleben aufgrund der Tatsache, dass man Kinder hat, ständig zurückgesetzt und schlechter behandelt wird.
In Österreich ist es leider kaum möglich, Beruf und Familie zu vereinen, das zieht nach sich, dass immer weniger junge Leute Eltern werden wollen, und die fühlen sich dann durch "lärmende" Kinder wiederum gestört bzw. beeinträchtigt.... Vom Pensionssystem wollen wir gar nicht sprechen. Für Eltern wiederum wird es immer schwieriger, den finanziellen Spagat zu schaffen, vor allem für jene, die mehr als 2 Kinder haben. Kaum eine Reise ist für mehr als 2 Erwachsene mit 2 Kindern ausgelegt, auch beim Auto muss man zu den größeren greifen. Ab einem gewissen Alter will der Nachwuchs auch bestimmte Marken, um mithalten zu können, ganz abgesehen von den schulischen Extraleistungen (PC, Schikurs, Sprachreisen,...) Als Angestellter mit durchschnittlichem Gehalt ist das kaum finanzierbar, aber für die Förderungen bleibt natürlich zu viel übrig vom Einkommen.... Man möchte die Kinder aber auch nicht enttäuschen und spart halt anderswo - meist bei sich selbst. Da bleibt dann nicht mehr viel für die Beziehung übrig, und noch weniger für einen selbst.
Ich liebe meine Kinder, ich möchte noch eines. Mutter sein heißt aber auch, sich selbst für einige Zeit ganz hinten anzustellen, ohne anzunehmen, dass das irgendjemand auch nur bemerkt. Dessen muss man sich bewusst sein und es für sich annehmen können. Andernfalls bleibt bei aller Freude ein schaler Nachgeschmack.
Hallo,
vielen Dank für deinen Text und deine Zeit, wir haben uns sehr über deine Zeilen gefreut und möchten sie im Rahmen unserer Serie "Wienerin Stimmen" auf wienerin.at veröffentlichen.
Wir hoffen, du teilst auch bei einem der nächsten Themen deine Gedanken mit uns und den anderen UserInnen.
Alles Liebe aus der WIENERIN-Redaktion!
Ich bin 32 Jahre alt, ich habe berufsbegleitend meine Matura nachgeholt und danach studiert. Wie die meisten Frauen habe ich immer eine gewisse Vorstellung gehabt wie denn mein Leben Mal sein wird. Das sah so aus: erfolgreiche Karriere, mit dem Mann meiner Träume verheiratet und mit 29 Mama. Kennt ihr? :-) Tja...nicht Mal eine Katze weit und breit zu sehen :). Ich arbeite für einen internationalen Konzern, mit dem Ziel die Karriereleiter weiter hochzuklettern habe ich die letzten Jahre viel Energie in meine Arbeit hineingesteckt. Ich stehe derzeit beruflich nun vor genau dem Schritt auf den ich schon lange warte. Plötzlich merke ich wie sich um mich herum alles bezüglich eines bestimmten Themas geändert hat: Kinder! Ich werde plötzlich non-stop gefragt: "Wann ist es denn bei euch soweit?", "Plant ihr eigentlich schon ein Baby?". Meine Mutter und Schwester die immer sehr locker waren und stets gesagt haben ich soll mir Zeit lassen, das Leben genießen, dass heutzutage alles anders ist und man sich ruhig die Zeit nehmen soll...sogar die scheinen von allen guten Geistern verlassen worden zu sein. Sätze wie: "Na ja langsam solltest du wirklich über ein Kind nachdenken", "Du bist auch nicht mehr die Jüngste" (bei dem Satz springe ich auf sie drauf, ziehe sie an den Haaren, verpasse ihnen einige Watschen und schreie: ICH bin jung verdammt und das ist MEINE Entscheidung!!!!) Natürlich passiert das nur in meiner Fantasie :). Ich stecke das mit lockeren Sprüchen weg ABER ich merke wie das dennoch etwas in mir auslöst. Ja, es ist definitiv so dass ich mich seit ca. einem Jahr mehr mit dem Thema Kind angefreundet habe, besser gesagt kann ich es mir jetzt vorstellen. Ich sehe einfach was oft passiert wenn Frauen von der Karenz kommen...sie können nicht mehr einen 40 Stunden Job machen und dementsprechend bekommen sie auch nicht wirklich wieder eine gleichwertige Stelle die sie eventuell zuvor hatten. Ich habe jahrelang während meines Studiums die Freitagabende an denen all meine Freunde ausgegangen sind ausgelassen da ich am nächsten Tag Vorlesungen oder Prüfungen hatte. Ich habe dieses Studium neben meinem Job gemacht und es war alles Andere als leicht aber ich habe es gemacht weil ich gewusst habe dass mir diese Ausbildung später mehr Türen öffnen kann. Verdammt ich will dass sich das ausgezahlt hat, pfeif auf den Titel auf der Visitenkarte, ich möchte mich weiterentwickeln, etwas bewegen... Also nehme ich mir bitte die Freiheit wenn es kein Problem ist für all die die ja denken ich soll jetzt dann bald ein Baby bekommen und sage: Ich möchte noch Karriere machen! Ich habe das Gefühl man wird wenn man das als Frau so geradeaus sagt gleich als "Business bitch" abgestempelt. Es geht nicht darum dass der Job für mich an erster Stelle steht aber sehr wohl darum dass ich jetzt die Möglichkeit wahrnehmen kann und möchte um meine Bedürfnisse zu erfüllen ohne auf jemanden Rücksicht zu nehmen. Als geborene Löwin weiß ich nämlich jetzt schon dass meine Kinder für mich die höchste Priorität haben werden. Ich denke mir also wann wenn nicht jetzt?! Denn machen wir uns nichts vor...wenn du vor deiner ersten Karenz nicht schon die Karriereleiter etwas hochgeklettert bist wirst du es erst recht nicht wenn du 20 oder 30 Stunden nach der Karenz zurückkommst tun. Kann man natürlich nicht pauschalisieren. Ich hatte letzten Samstag meinen 2 1/2 Jährigen Neffen bei mir, ein zum Anbeißen süßer, herziger kleiner Satansbraten :). Ich war am Abend erledigt, ich habe meiner Schwester auf Spaß am nächsten Tag gesagt dass ich nach dem Tag definitiv weiß dass ich mir mit einem Baby länger Zeit lassen möchte. Ihre Antwort: "Sag so etwas bitte nicht, sei nicht so egoistisch. Mit den eigenen Kindern ist es wieder was anderes". Oh my god...ich habe doch nicht gesagt dass ich keine Kinder will auch nicht dass ich sie schrecklich finde. Ich habe doch wohl das Recht für mich zu entscheiden dass ich gerne noch bewusst die Zeit genießen möchte wo ich eben nicht diese Verantwortung und Verpflichtung habe! Das wird doch wohl erlaubt sein?!Ich habe vor einigen Monaten eine kleine berufliche Krise gehabt und eine Kollegin meinte ich solle doch schwanger werden, auf was ich noch warten würde, es wäre jetzt wo ich gerade beruflich die Nase voll habe der beste Zeitpunkt. Meine Fantasie meldete sich auch hier sofort und machte ein paar unschöne Dinge mit ihr. Nein, ich werde nicht schwanger werden weil ich beruflich nicht zufrieden bin. Von meinen früheren Vorstellungen wie mein Leben aussehen sollte habe ich euch am Anfang geschildert. Vieles davon ist bei weitem nicht eingetreten aber einer Sache bleibe ich treu weil ich von ihr überzeugt bin und sie für mich nur so richtig ist...ich werde mich irgendwann aus folgenden Gründen für ein Baby entscheiden: aus purer Liebe für den Mann bei dem ich das Gefühl habe "YES, the love of my life" (Katze gibt es keine aber ihn gibt es tatsächlich ♥), weil wir beide gemeinsam entscheiden dass wir uns ein Kind wünschen. Wie seht ihr das Ladies? Seid ihr manchmal im beruflichen Leben in so einer Situation wo ihr euch denkt "Ach, eigentlich wäre jetzt ein guter Zeitpunkt schwanger zu werden."? So, ich bremse mich jetzt...könnte noch ewig schreiben. Eines aber noch zum Abschluss: Liebe neugierige Bekannte, Freunde, Kollegen, Menschen...jemanden zu fragen wann sie oder er denn Nachwuchs bekommt, warum sie noch keinen haben oder ähnliches...dieses Thema ist eigentlich so etwas intimes und privates. Vielleicht fragt ihr in dem Moment Menschen die es schon lange versuchen es aber nicht klappt, eine Frau die eine Fehlgeburt hatte usw. und genau da streut ihr Salz in eine offene Wunde. In diesem Sinn: “You must never be fearful about what you are doing when it is right.” Flüstert mir meine Seele immer wieder im Leben zu ;-) Küsse, Soulwhisper
Liebe Soulwhisper,
vielen Dank für deine ehrlichen Worte, viele aus unserer Redaktion haben sich darin wiedergefunden und deine Gedanken machen sich viele Frauen an dem einen oder anderen Punkt in ihrem Leben, da sind wir uns sicher. Deshalb möchten wir deinen Text als ersten unserer neuen WIENERIN Stimmen-Reihe veröffentlichen, du wirst ihn noch heute bei uns finden!
Wir hoffen, bald wieder von dir zu lesen, und schicken dir liebe Grüße aus der WIENERIN-Redaktion
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